Jevgenij Kulikov, ein Lebenslauf

Jevgenij Kulikovs Lebenslauf liest sich wie ein Roman

Jevgenij Kulikov

Er wurde im Mai 1946 in Kiew geboren, studierte er an der Sevchenko Kunsthochschule in Kiew monumentale Bildhauerkunst, Malerei und Pädagogik.
Er ist Bildhauer, Bühnenbildner, Restaurator, Kunstprofessor, versteht sich selbst aber in erster Linie als Monumentalkünstler.
Er ist in vielen Stilrichtungen und Materialien zuhause, von streng klassizistischen Marmorfresken bis hin zu expressionistischen Abstraktionen auf der Leinwand ist ihm kein Stil, kein Material – weder Stein, noch Holz, noch Bronze, noch Kupfer, noch Leinwand fremd.
In den 1970er Jahren arbeitete er in Rovenskys künstlerischer Werkstatt, an den russischen Theatern in Kiew, in den 90er Jahren am Moskauer Theater für Pantomime und Kunst, seit 1995 ist er Leiter des Programms „Europa – ein Haus der Kunst“
1993 wurde er für seine Restaurierungsarbeiten und Neugestaltung des Marienpalais in Kiew mit dem Taras Schevchenko-Preis, der höchsten Auszeichnung für Kunst und Kultur in der Ukraine ausgezeichnet und das trotz Opposition. Stets hatte er sich geweigert Stalin oder Lenin zu porträtieren.

1997/98 wurde seine Bühnenarbeit als beste Tschechiens ausgezeichnet, noch im Februar dieses Jahres arbeitete als Bühnenbildner in Prag am Nationaltheater.
Er stellte aus in Kiew, Moskau, St. Petersburg und nach Verlassen seiner Heimat in Deutschland, England, Frankreich und Tschechien, gewann viele Wettbewerbe und hat alles erreicht, was in seiner damaligen Heimat für einen Künstler möglich war. Und doch verließ er seine Heimat 1994 die Ukraine, weil er nicht die Ideen von Politikern verwirklichen wollte, sondern seine eigenen und die Ukraine auch nach dem Untergang der Sowjetunion wie ein großes Gefängnis empfand.
Hinter dem Eisernen Vorhang sammelte Kulikov Bücher und Kunst.
In Deutschland arbeitete Jevgenij zunächst als Restaurator am Mausoleum des Fürsten zu Wied, lernte dort seine Frau Irina kennen und nach Aufenthalten in Schenkelberg, Montabaur und Unna beschlossen die beiden, ein Haus unterhalb der Freusburg in Kirchen mit großzügigem Atelier zu kaufen. Seither arbeitet Jevgenij Kulikov dort.

Jevgenij Kulikov zur Bronze „Balance“ (1984, Dauerleihgabe 2019 an den KulturFlecken Silberstern Freudenberg e.V.):

Das Thema Balance ist das schwierigste Thema in der Kunst – sei es in der bildenden Kunst, der Architektur, der Musik, der Malerei wie auch in der Bildhauerei. Nur sehr wenigen Künstlern in der Kunstgeschichte ist es gelungen, mit bildhauerischem Können ein Gleichgewicht zu erzielen – und dies nicht nur im Ruhezustand, sondern vor allem in der Bewegung.
Auch ich habe mir die Aufgabe gestellt, den Zustand einer dynamisch-aktiven Bewegung im Stillstand herzustellen und dem Betrachter das Gefühl eines kontinuierlich lebendigen Bewegungsablaufs zu geben. Gewicht, Masse, Leichtigkeit, Gleichgewicht und unendliche Bewegung sollen im Moment eingefangen werden, so dass Harmonie entsteht – das ist die große Kunst!
Fachwerk ist für mich demnach auch Bewegung im Ruhezustand. Freudenberg symbolisiert Harmonie im Zusammenspiel von Fachwerk-Rhythmik und architektonischer Statik. Ich wünsche mir, dass die Stadt Freudenberg und ihre Besucher dies beim Bummel durch die Stadt nachempfinden können und sich meine „Balance“ dem Wortsinn gemäß in Stadt und Umgebung einfügt.

Friederike Schlebusch, im September 2019

Vita: Jevgenij Kulikov, geboren den 25. Mai 1946 in Kiew, er ist Sohn von Leonid Kulikov. Er absolvierte das bildkünstlerische Institut (1970). Fachliche Ausbilder: N. Lysenko, Bildhauer, Bühnenkünstler. Hauptfächer monumentale und kleine Plastik. Er erhielt den ukrainischen Staatspreis Taras Schevchenko (1983), den Republik-Preis für Projekt Ivan Frank für die Stadt Ivano-Frankivsk (neunziger Jahre). Er ist ein Mitglied des Nationalen Verband der bildenden Künstler von Ukraine (1987 – 2007). Er ist ein Mitglied – Korrespondent der internationalen Schöpfer-Akademie (1991). Er arbeitete in Rovensky-künstlerischen Werkstätten (1970—1972), in dem Verband „Bildender Künstler“ (Kiew 1972); in Kiewer russischem dramatischem Theater von Lesja Ukrajinka, in Kiewr Theater der Poesie (1979 – 1983), in dem Moskauer Theater der Komedie und Pantomime (1985 – 1989). Direktor des Zentrum der visuellen und dramatischen Kunst (Moskau 1990 – 1995), zugleich damit war er der Hauptkünstler (seit dem Jahr 1992) und der Leiter (seit 1995) des internationalen Programms „Europa – Haus der Kunst.“ In Theatern in Tschechien: der Szenograph und Bildner von Kostümen und der Bühnenausstattung. Seit dem Jahr 1969 nahm er an Ausstellungen teil. Tragende Werke: „Lukas“ (1971), „Mutter und Sohn“, „Wahrheit“, „Komposition“, „Familie“ (1972), „N. Šudrja“, „Badende“ (1975), „Meister von Sport Ju. Čiž“, „Gitarristin“ (1976), „Oksana“ (1983), „Gleichgewicht“, „Mähdrescherfahrer M. Vasilčenko“ (1984),„M. Ščepkin und T. Ševčenko“ (1986), „M. Ščepkin“, „Sergeant I. Grigorenko“, „Herausforderung“ (1987), „Schriftsteller Е. Junger“ (1995); Fontäne „Sadko“ (1974); monumentale Bildhauer-Komposition — „Prometheus“ (1981), Gedenktafel des Filmregisseurs F. Sobolev (1990); monumentales Panneau an der Fassade des Schlosses in Villin Geni (1994). Er führte das Restaurieren der Statuengruppe an der kahlen Fassade und an Fontänen des Marienpalastes in Kiew (1983) durch, neu schuf er die Statuengruppe „Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“, Autorenkopie der figuralen Komposition „Cupidos, die das Herz kränzen“; er beteiligte sich an der Gestaltung der Billdhauer-Kompositionen der Treppenleuchte bei dem Haupteingang, „Onkel Wanja“ von A. Tschechow (1998), „Elektra. Metamorphosen des Mythos“ von A. Meleschkina, „Meister und Margarita“ nach M. Bulgakow (1999). Er lebte und arbeitete in Kiew. Er fuhr nach Deutschland ab.

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